Kranenborgh

Eine Burg im Steinhuder Meer?

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Was man nicht sieht, ist schnell vergessen. Und so fanden alte Beobachtungen im Steinhuder Meer nur von Zeit zu Zeit Beachtung. 1750 und 1766/67 befassten sich die Gelehrten C. A. Dolle und A. C. Ernsting mit der Frage, ob im Steinhuder Meer eine Burg oder ein Schloss gestanden habe.

Die Lage wird einigermaßen genau bestimmt, dort, wo heute noch die Untiefe „Burg“ vorhanden ist. Die Stelle der Burg war damals gut an Bewuchsanomalien zu erkennen, so wüchse und rage hier nicht nur „das gemeine Rohr sondern fuernehmlich die große Wasserbintze“ (Wasserbinse)
aus dem Wasser empor, „da das Meer sonst in dieser Gegend von Kräutern rein ist“.

Ein 1957 im Steinhuder Meer geborgenes Schwert des 11. Jahrhunderts scheint wie auch ein 1981 geborgener Einbaum nicht unmittelbar zu der Burgstelle zu gehören.

Die historische Überlieferung, insbesondere eine Nachricht von 1602, berichtet uns von einer Ausdehnung des Steinhuder Meeres und einem womöglich damit verbundenen Anstieg des Seespiegels, womit die Burg letztendlich unter die Wasserlinie gelang. Wohl zu Recht wird die Stelle der „Burg“ mit der 1320 in einer Urkunde genannten Kranenburg identifiziert. In einem Vertrag verständigten sich Graf Adolf VIII. von Schaumburg und Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg darauf, dass sie im Krieg gegen das Stift Minden, die Schlösser Ricklingen, Wunstorf, Bokeloh und Blumenau erobern wollen. Dabei soll der Herzog die Rehburg und Bokeloh, der Graf „ok die Kranenborgh“ brechen. Offensichtlich hatten sich die Mindener Bischöfe eine Burg gebaut, die sie nach den am Steinhuder Meer lebenden Kranichen benannten. In der älteren Literatur werden auch die Grafen von Schaumburg als Bauherren in Anspruch genommen. Jüngere Äußerungen brachten aber auch die Grafen von Roden ins Spiel.

 

Auszugsweise aus dem Bericht der Denkmalpflege in Niedersachsen 1/2010; S.10-14.

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